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Das Bieler Tagblatt schreibt: In 18 Tagen beginnen die olympischen Sommerspiele in Paris. Als einer der ersten Schweizer Athleten überhaupt hat Nils Schneider aus Täuffelen die Kleider für den Grossanlass erhalten. Aber die Freude des Spitzenruderers ist nicht ungetrübt. 

Er ist einer von 128 Athletinnen und Athleten, die von Swiss Olympic offiziell selektioniert wurden. Nils Schneider reist an die Sommerspiele in Paris. Diese Selektion war das grosse Ziel des 25-Jährigen. Da er sich keinen Platz in einem der qualifizierten Boote sichern konnte, muss sich Schneider mit der Rolle des Ersatzmanns begnügen. Das habe einen faden Beigeschmack, sagte er am Montag nach der Anprobe der Kleider in Dietikon: «Ich habe mein Ziel nicht ganz erreicht. Als ich es an den Trails nicht fix in ein Boot schaffte, fiel ich zuerst in ein Loch. Ich war mir eine Zeit lang nicht sicher, ob ich überhaupt noch weitermachen will.»

 

Der Ruderer vom Seeclub Biel hat sich entschieden, die Rolle anzunehmen. «Ich muss sagen, dass ich jetzt froh bin, habe ich mich für das Richtige entschieden. Ich will die Jungs unterstützen. Ich habe Freude an ihnen und sie an mir, also ist für mich alles gut», so der gebürtige Täuffeler. In den letzten Trainings kam Schneider immer wieder zum Zug, da andere Kollegen fehlten. Er sei in verschiedenen Booten eingesprungen.

Zwei Fussbrüche

Der 25-Jährige hatte es in letzter Zeit nicht einfach. Er kämpfte sich nach zwei Fussbrüchen zurück und wollte sich wieder einen Platz in einem der Olympia-Boote erobern. Dieses Unterfangen klappte knapp nicht. Deswegen sagt er: «Ich bin schon traurig. Man könnte jetzt sagen, diese Brüche hätte es nicht gebraucht, aber ich will sie nicht als Ausrede brauchen. Sie waren weit genug weg, dass ich mich erholen und wieder auf mein Level kommen konnte.»

Er könne sagen, er habe alles gegeben, das er konnte. Die Rolle als Ersatzmann sei jetzt das Resultat, das er mit seiner Vorgeschichte habe erbringen können. «Es ist so, wie es ist. Ich muss das Beste daraus machen», sagt Schneider.

Besenwagen bei der Anprobe

Die Schweizer Delegation für Paris umfasst im Rudern insgesamt 19 Athletinnen und Athleten. Bei der Anprobe ist es teils hektisch zu und her gegangen. Es wurde diskutiert, wer welche Grösse braucht bei gewissen Kleidungsstücken. Schneider verfolgte bei zwölf Athleten eine bestimmte Taktik: «Ich wartete ein wenig und machte quasi den Besenwagen. Schliesslich habe ich alles gefunden, das mir gefällt.»

Das Design war für ihn nicht Liebe auf den ersten Blick. «Als wir im Vorfeld Fotos der Kollektion gesehen haben, war ich nicht so ein Fan davon», sagt der Ruderer. Weiss habe ihm zu stark dominiert. Doch bei der Anprobe konnte er sich versöhnen. «Ich habe gemerkt, dass es mehr Farbe hat als auf den ersten Blick. Nun bin ich happy mit der Kleidung für meine ersten Olympischen Spiele.»

Die gewählten Kleider bekam er direkt nach der Anprobe in einem grossen Koffer überreicht. «Ich realisiere immer mehr, dass ich an die Spiele gehe. Mein Name steht nicht einfach nur auf der Liste der selektionierten Athletinnen und Athleten, sondern ich habe meine Kleider erhalten. Es wird Realität, dass ich an die Sommerspiele fahre.»

Die Schweizer Delegation in Paris

Derzeit sind 128 Schweizer Athletinnen und Athleten für die Sommerspiele selektioniert. Das Ziel von gleich vielen Frauen wie Männern wurde fast erreicht. Mit 66 sind es vier Männer mehr als Frauen. Sie starten in insgesamt 24 Sportarten von 47. Das Durchschnittsalter liegt bei 27. 58 Prozent der Teilnehmenden sind wie Nils Schneider Neulinge bei Olympischen Spielen. Rekordteilnehmer ist der Reiter Steve Guerdat, der in Paris seine sechsten Spiele absolvieren wird.

Zukunft ungewiss

Am Mittwoch geht es für die Delegation in ein Trainingslager. Die Vorfreude auf die Sommerspiele werde immer grösser. «Ich fiebere den Olympischen Spielen immer mehr entgegen», sagt der gebürtige Täuffeler, der wegen der vielen Trainings mittlerweile beim Hauptsitz der Ruderer und Ruderinnen in Sarnen wohnt.

Wie es nach den Sommerspielen für ihn als Athlet weitergeht, weiss Schneider im Moment noch nicht. Er werde mit einem Jugendfreund nach Burgdorf ziehen, das stehe fest. Zum Sportlichen sagt er: «Nach den Spielen will ich ein wenig Distanz vom Rudern nehmen. Für mich war das Ziel immer Paris, weiter plante ich nie. Ich will im nächsten Halbjahr herausfinden, ob ich mit dem Rudersport fertig bin oder doch nicht.»

Text: Bieler Tagblatt, Michel Eggimann
Bilder: Michael Buholzer und Urs Flüeler/Keystone

Text auf ajour.ch